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Die Geschehnisse

Aragorn, Raigam, Anardil, Corum und Darin folgen trotz der späten Stunde per Pferd Turgons blutiger Spur im Burghof an die Ufer des Mering. Dort am Bootsanleger, nur einige Reitminuten von der Burg entfernt finden sie Kampfspuren sowie zwei Opfer von Turgons Klinge: Vodyanoi, menschengroße, aber dennoch eher froschartige Wesen aus Morgoths Versuchslaboren, die eigentlich nur noch in Mittelerdes gefährlichen Flußdeltas und Sümpfen vorkommen -- wie beispielsweise im Ethir Onodlo. Doch diese hier sind tot, ein fehlendes Boot aber weist daraufhin, daß andere überlebten und mit Perinore im Boot auf dem Weg zurück ins Delta sind.

Ein Rascheln im Gebüsch läßt die Gruppe herumfahren und Raigam einen shock bolt abschießen. Doch nur eine vor Angst zitternde Frau sinkt getroffen ins Gras. Ihr Stammeln untermauert unsere Theorie. Darin wird zur Burg zurückgeschickt, um dort weiter die Augen offen zu halten, die anderen Vier schwingen sich in die Sättel, um die Verfolgung längs des Mering aufzunehmen. Die Frau wird schlicht und ergreifend liegengelassen.

Die Verfolger wissen, sie sind höchstens anderthalb Stunden hinter den Entführern, dementsprechend viel verlangen sie von ihren Pferden. Nach Mitternacht sorgt Corum an einem einsamen Gehöft (,,Für Rohan!``) für den ersten Pferdewechsel, am Morgen in Imdorad, der nördlichen Nachbar-Baronie Heroths für einen zweiten. Dort hat man vor etwa einer Stunde eine den Fluß langschleichende Nebelbank bemerkt, für uns keine Frage: das waren sie und wir kommen näher!

Statt dem Fluß weiter zu folgen, überqueren wir ihn und kürzen über anorisches Gebiet ab, um nach Ardalmar zu gelangen. Doch dort beim dritten Pferdewechsel ist unsere Enttäuschung groß, daß wir noch immer knapp hinter unserer Jagdbeute sind. Am späten Nachmittag erreichen wir ,,Dreihütten``und sind froh, nicht noch mehr an Boden verloren zu haben, da das Gelände nun zunehmend sumpfiger wird und wir mit den Pferden immer mehr Haken schlagen müssen. Ein alter Flußfischer, der eine der drei Hütten bewohnt, erzählt uns mehr über den Zauberer Uruwen, und daß er an einer unterbrochenen Stelle eines Mündungsarmes in einem Turm hausen soll. Angeblich sei der Flußarm damals unterbrochen worden, als viel weiße und schwarze Magie aufeinandertrafen, um Uruwen an seinen Turm zu bannen.

Wir mieten sein Boot und geben ihm die Pferde als Pfand, um so noch an diesem Abend des 17.10. in den Sumpf einzudringen. Wir sind noch nicht lange unterwegs, als es Aragorn für einen Moment schwarz vor den Augen wird. Auch die anderen bemerken etwas vorgehen, können es aber nicht an einer Sache festmachen, und so setzen sie ihre Reise fort. Erst später sollten sie begreifen, das sie in diesem Moment eine Zeitreise um 100 Jahre in die Vergangenheit vermöge der Kräfte von Aragorns Ring gemacht hatten.

Endlich, nach 24 Stunden Verfolgungsjagd kommen die Freunde zu wohlverdienter Nachtruhe -- natürlich nur schichtweise, wobei Anardil im Boot das Kommando übernimmt, den anderen kraftsparendes Rudern beibringt und die Schichten einteilt. Am nächsten Morgen dringen sie in den toten Seitenarm ein und gehen erst einmal an Land. Doch dort ist auch vom Wipfel einer Mangrove kein Turm in der Nähe zu sehen, statt dessen liegt ein lautes Summen in der Luft: Hummerhorns! Gleich 16 Stück wollen ihr Frühstück nachholen, doch Raigams elektrisch geladene Wolke hat einiges dagegen, so daß die nun nur noch 9 Riesenwespen ein leichtes Opfer vor allem von Aragorns und Corums Klingen werden.

Nach diesem Landgang arbeiten sich die Vier wieder per Boot weiter, bis auch das letzte Flußärmchen endet. Also wird das Boot getarnt und es geht zu Fuß weiter. Gegen Mittag dringen sie in dicken Nebel vor, der aber seltsamerweise nur in Bodennähe ist und sich konstant auf einer 300m x 300m großen Fläche hält. Ein Blick von einer Mangove leitet uns ins Zentrum, zu einem großen weißen Obelisken. Noch während wir uns bemühen, Sinn in die Inschrift auf dem Stein zu bringen, sind plötzlich Raigam und Corum verschwunden. Eine kurze Suche ergibt: Zwei neue Gestalten, nämlich Elrond und Arag stehen statt ihrer da!

Dieser Schock ist jedoch schnell verdaut und man stellt anhand der Größe einer Mangrove einwandfrei fest, daß man sich etwa hundert Jahre in der Vergangenheit befindet. Kaum ausgesprochen, fallen plötzlich zwei Mewlips, Untote Diener Morgoth und in diesem Fall wahrscheinlich Uruwens über uns her, doch scheinbar hatten sie nicht mit Arags und Aragorns Gegenwehr gerechnet. Kurz gesagt, diese Episode ist kaum der Erwähnung wert. Statt dessen macht sich die neu formierte Gruppe auf den Weg nach Norden, denn der Obelisk scheint ihnen eindeutig der südliche Markierungspunkt von Uruwens Bannmeile zu sein.

Bevor der Turm aber erreicht wird, bekleckert sich Aragorn gleich zweimal weniger mit Ruhm als vielmehr mit Schlamm. Zunächst verzaubern ihn Irrlichter und locken ihn in tödlichen Treibsand. Nur Arags Sprung auf seine Schultern und Anardils Umklammern seiner Beine halten Aragorn von seinem törichten Vorgehen ab. Und kurze Zeit später überraschen zwei Vodyanoi ebenfalls den zuletzt gehenden Aragorn und zerren ihn in einen Bachlauf. Wieder ist es Anardils beherztem Eingreifen zu verdanken, daß Aragorn nicht auf ewig in den grauen Fluten verloren geht. Ich denke, daß sich Anardil an diesem Tag einen Blanko-Schuldschein von Aragorn verdient hat.

Kurze Zeit später erreichen die Gefährten den Turm. Hier erfolgt Arags großer Auftritt. Er ,,zappt``sich hoch auf die Turmzinnen, läßt ein Seil herab, und alle erklimmen das Bauwerk. Die Treppe hinab ins oberste Stockwerk, ein Blick durch alle Fenster verrät zwei Gestalten: Perinore und Uruwen! Auf ein gemeinsames Zeichen hin stürzt Anardil in Perinores Zimmer, um sie zu befreien, während Arag, Elrond und Aragorn einen Überraschungsbesuch bei Uruwen machen. Aragorn setzt dem Magier mit seiner battle axe schwer zu, doch per Teleport entkommt er. Plötzlich Schritte auf der Treppe: Ein Golem wankt die Stufen hinauf. Sofort ist Elrond zur Stelle, läßt magisch die Treppe unter dem Golem zusammenbrechen, der noch erstaunt aufbegehrt, sich aber eine Etage tiefer nach dem Aufprall in seine Bestandteile auflöst. Dort klappt aber eine Tür! Uruwen hat sich materialisiert und will sich nun verdrücken, ohne sich bei seinen Gästen verabschiedet zu haben. Was tun, die Treppe nach unten ist ja gerade von Elrond zerbröselt worden. Arag springt ohne nachzudenken ins Loch und landert geschickt drei Meter weiter unten. Uruwen kann gerade noch die Augen weit aufreißen, als der Hobbit auch schon seinen schwarzen Schurikan gezückt, geworfen und den Magier ins Herz getroffen hat. Dieser stürzt kopfüber die Ballustrade in den Turmhof hinab, wo er tot liegen bleibt.

Wer dachte, nun sei alles überstanden, sah sich aber getäuscht. Plötzlich bekam der Turm Risse und begann mit seinem Zersetzungsprozeß. Wir nahmen die Beine in die Hand und konnten gerade noch mit dem nackten Leben entkommen. Anardil hatte die Prinzessin gerettet, doch handelte es sich gar nicht Perinore, sondern natürlich um deren Leidensgenossin von vor hundert Jahren. Bei der Flucht aus dem berstenden Turm verloren wir sie aus den Augen, als hätte es sie nie gegeben -- was in gewisser Weise auch nicht ganz unrichtig war, denn mit Uruwens Tod kehrten wir in die Gegenwart zurück.

Der Rückweg per Boot durch den Ethir Onodlo und das Rücktauschen des Bootes gegen die Pferde ist dann nur noch Formalität, so daß am übernächsten Tag vor uns wieder die vertrauten Zinnen von Heroth auftauchten.


wolf.krueger@dlr.de
Sun Aug 16 18:13:51 MET 1925