Jubiläum
oder
Auch Orks feiern Jahrestag
Teilnehmer: Arag, Aragorn, Darin, Elrond, Melisande, Torec
Zeit: 27.9.2967
Gamemaster: Elrond Elchtep
Wieder einmal sitze ich am Schreibtisch, um eine unserer schier unglaublichen Geschichten niederzuschreiben. Nach einer langen Reise aus Bree zurück nach Caldraugh möchte ich als Chronik der Ereignisse einen Brief des Hobbits Willy Stolzefuß zitieren, den dieser am 10. Winterfilth (wie die Hobbits den Oktober nennen) 2967 aus Bree an seinen Vetter Folko Unterhügel in Michelbinge geschrieben hat.
Ich durfte diesen Brief dankenswerterweise abschreiben. Fast der gesamte Ablauf unseres Abenteuers wird in ihm geschildert.
Viel Vergnügen beim Lesen wünschen Willy Stolzefuß aus Bree und Elrond Elchtep, Chronist und Pferdezüchter aus Caldraugh!
===================================================================================
Brief des Hobbits Willy Stolzefuß aus Bree an seinen Vetter Folko Unterhügel
in Michelbinge, 10.Winterfilth2965
Lieber Folko!
Nachdem wir uns so lange nicht gesehen haben, will ich Dir von den neuesten Nachrichten aus Bree berichten. Sicher hast Du schon von dem großen Angriff der Orks auf unser Städtchen gehört. Nun, ich war an der Verteidigung des Südtores beteiligt. Glaube es oder nicht, ich habe einen Adler mit Steinen versorgt, die dieser bündelweise auf die Orks geworfen hat! Eine ganze Truppe von Orkbogenschützen ist dabei k.o. gegangen! Um es vorweg zu nehmen, 6 Große Leute und 6 Hobbits sind am Südtor gefallen, 25 Große Leute und 11 Hobbits wurden verletzt. Am Nordtor starben weitere 5 Große Leute und 3 Hobbits. Ich bin aber wohlauf, ebenso wie Tante Rosa und ihre 3 Kinder. Radolf Bachbrück mußten wir allerdings beerdigen, Du weißt schon, den Enkel des alten Bachbrück, der 3. Cousin der alten Sackheim-Beutlin, deren Nichte 2. Grades die angeheiratete Schwester unserer gemeinsamen Großmutter Wollhaar aus Langgrund war.
Aber ich fange am Ende an. Die ganze Geschichte begann eigentlich - ich habe übrigens drei Elben gesehen! Einer behauptete zwar, nur ein halber Elb zu sein, für mich sah er aber eigentlich recht vollständig aus - die Geschichte begann also vor ziemlich genau 10 Jahren hier in Bree.
Erinnerst Du Dich an den großen Orküberfall im Jahre 2957? Damals war ich gerade 22 geworden und eigentlich zu jung um mitzukämpfen, hatte mir dann aber doch einfach einen Bogen genommen und war zur Hecke gegangen. Ich bin sicher, daß ich damals einen Ork erschossen hätte, wenn mich Tante Rosa nicht an den Ohren in unsere Höhle zurückgezogen hätte! Der Angriff damals forderte keine Toten, obwohl Merrilin später behauptete, der Tod seines 103-jährigen Vaters vier Jahre später sei auf eine alte Wunde von diesem Tag zurückzuführen. Allerdings waren 5 Häuser und 3 Scheunen durch Brandpfeile der Orks abgebrannt. Mein Tagebuch vom 30.9.2957, dem Tag nach dem Überfall, verzeichnet folgenden Eintrag:
''Heute bin ich am Tanzbären vorbeigekommen. Meister Merrilin saß in den rauchenden
Trümmern seines Hauses und besah sich fassungslos den Schaden. Irgendwie habe
ich schon Mitleid mit ihm, aber immerhin war er es, der am lautesten den 4
Abenteurern am Abend vorher die Belohnung verweigert hatte. Sie hießen Darin,
Arag, Aragorn und Elrond und waren vom Gemeinderat damit angeworben worden, eine
in der Nähe vermutete Orkfestung auszukundschaften. Sie kamen mit dem Kopf des
Orkhäuptlings zurück, und weil man Angst vor der Rache der Orks hatte, wurden
die vier nicht bezahlt. Sie wären auch verhaftet worden, konnten aber gerade
noch fliehen. Merrilin wird jedenfalls diese vier Namen und Gesichter nicht so
schnell vergessen. Ach ja, Steckbriefe sind von ihnen auch angefertigt worden.''
Das war vor 10 Jahren. Aragorn war übrigens ein Waldläufer (zu ihm komme ich noch), Darin ein Zwerg, Elrond wurde allgemein für einen Menschen gehalten (war er aber nicht) und Arag war (und ist immer noch) ein Hobbit (ein Brandybock, Neffe 3. Grades Alfred Bocks, der vor 17 Jahren (Du erinnerst Dich bestimmt!) den großen Streit um die Mühle von Wasserau mit Fredryk Hagsend, dem Bruder des Schwagers von Alfons Pfeifenkraut (damals Bürgermeister von Wasserau) hatte).
Von den fünf Besitzern der abgebrannten Gebäude wurde damals eine Belohnung von 5 Goldstücken auf die Ergreifung der Abenteurer ausgesetzt. Für uns war die Sache damit zu Ende. Noch zwei- bis dreimal wollte jemand in den folgenden Jahren die Belohnung kassieren, aber immer erwies es sich als blinder Alarm. Lange blieb der 'Tanzbär' eine Ruine. Dann allerdings kam Merrilin, der bis dahin als Aushilfe im 'Tänzelnden Pony' gearbeitet hatte, wieder zu Geld. Mein Tagebuch hat dazu folgende Eintragung vom 12.6.2959:
''Ich bin am 'Tanzbären' vorbeigekommen. Die Gaststätte, die zwei Jahre lang
Ruine war, wird wieder aufgebaut! Alle Welt fragt sich, wie Merrilin an das Geld
gekommen ist, nachdem ihm zwei Jahre lang niemand einen Pfennig leihen wollte.
Als ich ihn fragte, lächelte er nur und meinte, es gäbe auch noch wahre
Freunde (was auch immer er darunter versteht), von ihnen habe er das Geld zur
Verfügung gestellt bekommen. Nach dem Grundriß zu urteilen, der gerade
abgesteckt wird, werden die neuen Gebäude größer als die der abgebrannten
Herberge.''
Mittlerweile weiß ich, wer der 'wahre Freund' war. Es war nämlich so: Am Ende des Angriffs (also, ich meine den Angriff der Orks vor ein paar Tagen) erschien am Südtor ein großer schwarzer Reiter. Als er den Helm abnahm, erkannte ich das Gesicht eines Waldläufers, der 'Wanderer' genannt wurde und bis vor einigen Jahren regelmäßig in Bree auftauchte. Neulich habe ich erfahren, daß er Aangral hieß, ein Verwandter des von den Behörden von Bree gesuchten Aragorns war und in seiner Familie seit etwa 10 Jahren als tot galt. Er hatte offenbar mit den Orks gemeinsame Sache gemacht und Merrilin das Geld für den Wiederaufbau der Gaststätte geboten. Im Verhör am Tage nach dem Kampf gestand der Wirt, er habe dafür zunächst nur scheinbar unwichtige Informationen weitergeben müssen. Im Laufe der Zeit wurden die Informationen, die ihm abverlangt wurden, aber umfangreicher. Merrilin sah langsam deutlich, daß er dem Dorf und seinen Bewohnern, zumindest aber den Durchreisenden, damit Schaden zufügte. Er haßte sich dafür, daß er so handelte, und da der Wirt sich so tief in die Sache verstrickt hatte, daß er keinen Ausweg sah, haßte er um so mehr die vermeintlich wahren Schuldigen an seiner Misere, nämlich Arag, Aragorn, Darin und Elrond. Als dann die ersten Reisenden verschwanden und Merrilin klar wurde, daß nur er als Informationsquelle für die mordenden Orkhorden in Frage kam, spaltete sich seine Persönlichkeit langsam in einen jovialen, wenn auch schreckhaften Gastwirt und eine buckelnde, elende Schattenkreatur, wenn wieder einmal seine Auftraggeber vorbeischauten. Die Identität der Dunklen Boten konnte von Merrilin beim besten Willen nicht erfahren werden, lieber hätte er sich die Zunge abgebissen.
Aber bevor ich es vergesse, möchte ich Dir kurz hintereinander erzählen, was genau am 27. Halimeth geschah. Ich habe mein Wissen aus den Berichten von Elrond, einer Elbengeschichte von Torec (wer ist Torec? - abwarten!) und aus dem, was im Verhör von Merrilin herauskam.
Also: Arag, Aragorn, Darin und Elrond wachten an diesem Morgen in den Betten des 'Tanzbären' auf. Ihre Geschichte, wie sie dorthin kamen, wurde allgemein als Erfindung abgetan: in einer fernen Stadt seien sie von Gegenständen aus ihrem Besitz angegriffen worden, und bei der Flucht vor wildgewordenen Waffen und wandelnden Geldstücken durch einen Theleeportär (oder so ähnlich) gefallen. Schon eine merkwürdige Sache, aber Merrilin sagte im Verhör ebenfalls aus, sein 'Freunde' hätten die vier in einem fernen Land aufgespürt, und Aangral habe seine Zauberkraft eingesetzt, sie in den 'Tanzbären' zu schaffen. Als Gegenleistung wollte der Wirt beim Überfall der Orks auf Bree im Ort Unruhe stiften und im Rücken der Verteidiger für Aangral arbeiten.
Wie dem auch sei, jedenfalls waren die vier nur mit dem Nötigsten bekleidet in der Gaststätte. Marrilin tat so, als hätte er sie nicht wiedererkannt und wolle sie wegen Zechprellerei verhaften lassen, obwohl ihm Aragorns Schild als Pfand angeboten worden war. Sein Plan war es, so gestand er später, nach der Verhaftung durchsickern zu lassen, wer der Hobbit, der Zwerg und die Menschen seien, um sie anschließend durch einen Mob aufgestachelter Bürger von Bree 'lünnchen' zu lassen. Du siehst, daß er verrückt war, so ein Plan kann ja nur von jemanden kommen, der von seinem Haß geblendet ist. Als wenn wir in Bree jemals jemanden lünnchen würden (was heißt 'lünnchen' überhaupt?)! Ich habe mit Arag gesprochen, und wir vermuten, daß Aangral vorhatte, die Abenteurer nach der Einnahme Brees lebend in die Hände zu bekommen.
Nun, die vier entkamen durch ein unbewachtes Fenster, aber das Gerücht über ihre Anwesenheit in Roch hatte sich bereits rumgesprochen, und die Tore waren geschlossen. Da näherte sich von Süden eine merkwürdige Gestalt. Eine große Person in einem weißen Gewand und in Hauspantoffeln ritt auf einem Maultier zum Südtor. Es stellte sich heraus, daß die Wachen den Elben Torec Calloris vor sich hatten. Dieser hatte drei Stunden südlich von Bree eine große Orkbande, fast schon ein kleines Heer, gesichtet. Zuerst glaubte ihm verständlicherweise niemand, aber später eintreffende Bewohner südlich gelegener Höfe bestätigten seine Angaben. Torec wurde zur Büttelstation geführt und verhört. Auf dem Wege dorthin wurden die Wachen und er von einem großen schwarzen Adler angegriffen, demselben, der merkwürdigerweise später mit bei der Verteidigung unserer Stadt half. Nachdem Torec wegen seines Aufzugs und seinem Geständnis, Arag und dessen Freunde zu kennen, fast verhaftet worden wäre, waren er und eine Elbin namens Melisande anschließend zu Gast in meiner Höhle!!! Niemand hatte übrigens Melisande in die Stadt kommen sehen, dabei waren die Tore doch geschlossen gewesen. Da haben die Wachen wahrscheinlich wieder geträumt.
Kurze Zeit später ertönte der Sammlungsruf zur Waffenausgabe, die Orks waren Bree nahe. Auf einmal waren auch die vier Gesuchten wieder unter uns, aber in dem allgemeinen Gewimmel dachte niemand mehr daran, sie festzunehmen. Und so kämpften sie mit uns gegen die Orks. Über das Ergebnis des Kampfes habe ich ja am Anfang des Briefes bereits viel geschrieben. Darin gelang es sogar, Aangral niederzukämpfen, der sich ganz auf den Kampf gegen seinen Cousin Aragorn konzentriert hatte. Dabei war es offensichtlich wichtig, daß Darin ein 'Erstgeborener' war (ich dachte, das hieße, daß er keine älteren Geschwister habe, aber da muß ich irgend etwas mißverstanden haben...). Die Hecke ist beschädigt, das Tor war gefallen, aber Bree hat standgehalten!
Nachdem der Überfall abgeschlagen war, stürzten sich die Büttel natürlich auf den armen Merrilin, der auch fast keine Gegenwehr leistete. Das anschließende Verhör fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, da ich aber rein zufällig Stühle im Nachbarzimmer reparieren mußte, habe ich fast alles mithören können. Merrilin benahm sich abwechselnd grob fordernd oder katzbuckelnd und speichelleckerisch. Nachdem man ein paar Informationen aus ihm herausbekommen hatte, wurde er in eine Zelle gesteckt, wobei sich alle große Mühe gaben, ihn möglichst wenig zu berühren...
Wie groß war die allgemeine Überraschung, als diese Zelle am nächsten Morgen leer vorgefunden wurde! Er war befreit worden, doch von wem, das weiß hier keiner. Ein komischer Gedanke, den Getreuen eines solchen Menschen unter uns zu haben... Ein sofort ausgeschicktes Suchkommando konnte den Spuren des Wirtes allerdings folgen. Man fand ihn schließlich am Rande der Mückenwassermoore, am Fuße eines kleinen Abhanges. In seinem Gesicht spiegelte sich so etwas wie ein großes Grauen wider. Wir werde nie erfahren, vor was er so panisch geflohen war, daß er sich dabei den Hals brach (und diesem ''Etwas'' hoffentlich auch nie begegnen...). Aber wir wissen näheres über die Hintergründe der Ereignisse der letzten Tage aus dem Brief, den man bei ihm fand. Diesen habe ich auch abgeschrieben und beigelegt, lies ihn, richtig gruselig wird es einem dabei!
Na ja, Ende gut, alles gut, wie Tante Rose immer sagt. Viele Grüße aus unserem entlegenen Zipfel der Welt, Gruß auch an Onkel Tolman und Tante Menegilda!
Weißt Du, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung,
daß der Angriff der Orks zu diesem Zeitpunkt kein Zufall war -
auch Orks feiern schließlich Jahrestag.
Viele Grüße, Dein Willy
===================================================================================
Abschrift des Briefes, den der tote Wirt Merrilin von Bree bei sich hatte, als er im Chetwald am Rand der Mückenwassermoore tot aufgefunden wurde:
Großer Lord!
Aangral hat gefehlt! In maßloser Selbstüberschätzung ist er während unseres Angriffs in Bree eingeritten, bevor die Stadt gefallen war. Er war in dem Glauben, weder Mensch noch Elb könne ihm etwas anhaben und ließ sich in einen Zweikampf mit seinem überraschend anwesenden jüngeren Cousin ein (Aragorn III, Dunadain des Nordens). Ein anwesender Zwerg namens Darin erschlug Aangral jedoch.
Überbringer dieser Zeilen ist der Wirt Merrilin von Bree. Er hat 10 Jahre in Bree Nachrichten für Euch gesammelt, versagte jedoch letztendlich, als es galt, Aangral zu schützen. Dieser Bote hat einen langsamen, qualvollen Tod von Eurer Hand verdient, denn offenbar war er für die Anwesenheit des Zwerges und Aragorns III. in der Stadt verantwortlich. Wie es scheint, hat Merrilin den Narren Aangral überzeugt, mit Hilfe der dem abtrünnigen Dunadain von Euch verliehenen Fähigkeit, Teleporter aufzustellen, vier Erzfeinde Mordors nach Bree zu bringen. Offenbar schmeichelte Aangral die Möglichkeit, vier unserer langjährigen Feinde lebend in die Hände zu bekommen. Zusätzlich wollte Merrilin unseren Truppen ein Stadttor von Bree in der Nacht öffnen.
Der Plan Aangrals ist an dessen Eitelkeit auf ganzer Linie gescheitert. Unsere Truppen wurden südlich von Bree frühzeitig erkannt, Aangral wurde erschlagen, und die vier Feinde des Schattens entkamen. Alle, die wußten, aus welcher Gegend Mittelerdes die vier Feinde des Schattens nach Bree geholt wurden waren, sind beim Angriff ums Leben gekommen und das, nachdem Aangral offenbar lange mit unserem Netz von Spionen nach ihnen suchen ließ. Vielleicht finde ich eine Möglichkeit, ihren Wohnort ausfindig zu machen.
Die anderen beiden, die ich noch nicht erwähnte, sind übrigens ein Halbelb, ein gewisser Elrond und ein Halbling namens Arag, wie ich aus den alten Steckbriefen und aus mitgehörten Gesprächen entnehmen konnte.
Unser Heer wurde geschlagen. Aagral fiel, er erwies sich Eurer Unterweisungen nicht würdig, und was schlimmer ist: sein RING fiel an den Gegner. Ich kann nicht herausfinden, ob der Feind die wahre Bedeutung des Ringes schon erkannt hat oder sie jemals erkennen wird. Ich werde entsprechende Nachforschungen anstellen, muß dabei aber gerade im Moment sehr vorsichtig vorgehen.
Das wiederentstehende Land Angmar wird einen neuen Lord brauchen, der die zerstreuten Kräfte bündelt, während Ihr weiter unserem Dunklen Herren im Süden dient, möge Sein Schatten ewig währen.
Zur Überbringung dieser Botschaft werde ich den Wirt Merrilin aus dem Gefängnis befreien, damit er von Eurer Hand gerichtet werden kann.
Euer treuer Diener im Alten und Neuen Reich Angmar
Traaragen